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Das Fach Geschichte

Wer das Wort Geschichte hört, hat sofort eine Vorstellung von dem, was das sein soll. Aber als Bezeichnung für ein Unterrichtsfach in der gymnasialen Oberstufe kann das nicht stimmen, wird der nächste Gedanke sein. Das ist falsch. Das Fach Geschichte hat eine ganze Menge mit Geschichten zu tun, die erzählt werden können. Bei genauerem Hinsehen, hat alles seine Geschichte, und damit ist auch alles, was es überhaupt gibt oder jemals gab, Thema für einen Geschichtswis­senschaftler oder Historiker. Und vieles davon ist spannend oder rätselhaft:

Die letzten beiden Beispiele sind zwar Märchen, aber wie gesagt, für den Historiker ist alles inter­essant. Und so märchenhaft interessant ist auch der Geschichts-Unterricht in der Oberstufe.

Die Zeiten, in denen Geschichte stures Auswendiglernen von Daten und Herrschernamen war, sind schon lange vorbei. Aber wir dürfen uns nichts vormachen, ganz ohne wird es auch schwierig. Wer anfängt, Dortmund auf einer Karte von Afrika zu suchen, hat es in Erdkunde genauso schwer, wie jemand, der in Geschichte Bismarck, Merkel und Hitler nicht in die richtige zeitliche Reihenfolge bringen kann. Das muss man aber nicht unbedingt alles am Anfang der Oberstufe können. Wir wol­len hier ja auch noch ein bisschen unterrichten können, und die Schülerinnen und Schüler kommen ja nicht direkt zur Abiturprüfung hierher, sondern sollen in den knapp drei Jahren auch noch et­was lernen können.

Wer sich mit unseren Abiturientinnen und Abiturienten aus den Leistungs- oder Grundkursen in Geschichte unterhält, wird beeindruckt sein. Die aktuellen Ereignisse aus den Fernseh-Nachrichten oder den Zeitungen werden als Teil und Ergebnis eines langen geschichtlichen Prozesses verstanden. Hinweise von deutschen und ausländischen Politikern auf frühere Vorkommnisse oder "alte Ansprüche" werden automatisch auf Wahrheitsgehalt, dahinter verborgene tatsächliche Interessen und mögliche Ge­genargumente geprüft. Was heute hier und sonst auf der Welt passiert, wird wesentlich besser verstanden und in einen größeren Zusammenhang eingeordnet, als zu Beginn des Geschichtsunter­richts in der Oberstufe.

Genau das sollen und wollen wir auch erreichen. Wer sich mit Geschichte beschäftigt, kann Aktuel­les besser oder überhaupt erst verstehen. Nur wer weiß, wo er herkommt, weiß auch, wo er ist und wo er hinkommen kann. Das ist ein Teil des sogenannten "historischen Bewusstseins", das in der Oberstufe geweckt und entwickelt werden soll.

Auf dem Weg zu diesem historischen Bewusstsein arbeiten die Schülerinnen und Schüler an Tex­ten, Bildern und Sachen, die ihnen die Vergangenheit näher bringen und möglichst lebendig wer­den lassen. Wir besuchen Museen und Schauplätze der Geschichte, um besser zu verstehen, was und wo es war. Wir machen Planspiele, bei denen die Teilnehmer selbst zu Akteuren der Geschich­te werden und über Krieg und Frieden, Bündnis und Feindschaft, Demokratie oder Diktatur usw. entscheiden müssen, um besser zu verstehen, wie und warum es so war. Wir vergleichen Entwick­lungen und Ereignisse in Deutschland mit denen in Polen, Italien, Russland, der Türkei und anderen Ländern oder schauen uns gezielt deren Geschichte an, um besser zu verstehen, ob und wie es auch anders hätte kommen können. Wir prüfen ständig, wo die Spuren dieser Vergangen­heit auch heute noch zu sehen oder wirksam sind. Und die Jugendli­chen sind immer wieder aufs Neue überrascht, dass sie ständig und überall von Geschichte umge­ben sind und jetzt erst allmäh­lich immer mehr und besser verstehen, warum unsere Welt heute so ist, wie sie ist.